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Computergenealogie

Newsletter 04/2018
  1. Die Redaktion des Magazins COMPUTERGENEALOGIE startet eine Umfrage zum Gebrauch von genealogischer Software. Die Umfrage läuft bis zum 7. Mai 2018 und ist nicht auf Vereinsmitglieder begrenzt. Wir haben nur eine Bitte: Aus Gründen der Fairness sollte jeder Teilnehmer die Fragen nur einmal beantworten. Ansonsten darf der Link gerne geteilt werden: Je mehr Familienforscher teilnehmen, umso aussagekräftiger wird das Ergebnis sein. Die Auswertung der Fragen wird in kommenden Ausgaben des Magazins COMPUTERGENEALOGIE veröffentlicht und wird im Magazin FAMILIENFORSCHUNG Grundlage der Software-Rubrik sein.

    Hier der Link zur Umfrage, gültig bis zum 07.Mai 2018.

    Doris Reuter, Redaktion COMPUTERGENEALOGIE
  2. Das Mitgliedertreffen des Vereins für Computergenealogie e. V., einschließlich des vorausgehenden Rahmenprogramms, fand vom 6.4.-8.4.2018 im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen statt. Am Freitag folgten rund 30 Mitglieder der Einladung ins Landeskirchliche Archiv in Stuttgart und nahmen hier an einer sehr interessanten Führung teil, die in zwei Gruppen durch Herrn Dr. Müller-Baur und Herrn Bing geleitet wurde. Der Samstag war geprägt von einem ganztägigen Vortrags- und Workshop-Programm, an dem über 50 Mitglieder und Gäste teilnahmen.
    Dr. Müller-Baur: ARCHION – Stand der Beteiligung, technische Hintergründe
    Der Referent Harald Müller-Baur berichtete über die Entstehung des Kirchenbuchportals ARCHION. Die Projektarbeitsgruppe des Verbandes evangelischer Archive hatte die Ziele: Aufbau eines Internetportals zur zeitgemäßen Präsentation der Kirchenbücher, Einfluss der Archive auf die Präsentation, Schutz der Kirchenbücher, Portal sollte sich finanziell selbst tragen. Die Kirchenbuchportal GmbH wurde 2013 gegründet. Herr Müller-Baur stellte dar, welche Kirchen sich beteiligen und berichtete, dass im Laufe der Zeit immer wieder neue Landeskirchen dazukommen. Sonstige Institutionen sind auch das Landesarchiv Speyer und der Mennonitische Geschichtsverein. Mittlerweile fehlen nur noch wenige Landeskirchen Deutschlands (u.a. Bremen). Der Stand ist unterschiedlich, wobei Westfalen und Pfalz fast vollständig online zur Verfügung stehen. Hr. Müller-Baur erklärte den Aufbau der Homepage, die Möglichkeiten und die Struktur dahinter. Weitere Informationen zur Homepage finden sich hier. Die Grundlage der Digitalisate sind die Original-Kirchenbücher und in einigen Fällen auch Mikrofilme. Die Digitalisierung erfolgt durch die Landeskirchlichen Archive, wobei die jeweiligen Schutzfristen voneinander abweichen. Jeden Tag werden neue Kirchenbuchdigitalisate importiert. Zurzeit sind 74.000 Kirchenbücher online, mit über 24 Millionen Kirchenbuchseiten. Monatlich gibt es derzeit 8.000 Seitenaufrufe und 26.000 registrierte User nutzen das Angebot von ARCHION.
    Dr. Thomas Aigner: ICARUS - Matricula
    Herr Dr. Thomas Aigner (Präsident von ICARUS) stellte in seinem Vortrag die Plattform ICARUS mit ihren Komponenten Monasterium, Topothek und Matricula vor. Im Eingang seines Vortrages postulierte er, dass wir uns derzeit noch in der "digitalen Steinzeit" befinden. Er stellte visionäre Projekte vor, an denen derzeit gearbeitet und erforscht wird, z. B. eine virtuelle Zeitmaschine in die Vergangenheit oder die Möglichkeit, Bücher zu digitalisieren, ohne sie öffnen und durchblättern zu müssen.
    Kirchenbucherfassung mit DES
    Im Anschluß an diese Vorträge informierte Susanne Nicola darüber, dass CompGen sowohl mit ICARUS (und dem Bistumsarchiv Münster) als auch mit ARCHION (und dem AK-Familienforscher Herford) seit einiger Zeit zusammenarbeitet und Pilotprojekte vorbereitet. Darauf haben die deutschen Genealogen lange gewartet. Das Ziel der Zusammenarbeit ist, dass künftig digitalisierte Kirchenbücher, die auf einer der beiden Plattformen bereitgestellt werden, mit dem CompGen Datenerfassungssytem DES erfasst werden können. Die Vorbereitungen stehen kurz vor dem Abschluss und der Start der Erfassung wird in Kürze offiziell bekannt gegeben. Mit ARCHION wird ein evangelisches Kirchenbuch Enger (Kreis Herford, NRW) als Pilot erfasst werden, in der Kooperation mit ICARUS und dem Bistumsarchiv Münster ein katholisches Kirchenbuch der Gemeinde Bork. Horst Reinhardt und Susanne Nicola demonstrierten live die Vorgehensweise bei der Erfassung von Kirchenbücher mit Hilfe des DES. Dieser Workshop wurde durch eine rege Diskussion geprägt. Susanne Nicola präsentierte hierbei ebenfalls eine Neuerung im DES, die kürzlich auch schon bei der Kartei Leipziger Familien eingeführt wurde – es werden zusätzlich zu der Person auch die Beziehungen zu anderen Personen erfasst. Am Beispiel des Sterberegisters aus dem Kirchenbuch Bork wurde gezeigt, wie direkt auf dem Digitalisat zuerst die verstorbene Person und im nächsten Schritt eine oder mehrere Personen, die mit der verstorbenen Person in Beziehung stehen (Mutter, Vater, Frau, Mann), erfasst werden.
    Die neue Website des Vereins für Computergenealogie e.V.
    Im Anschluss an diesen Vortrag stellte Klaus-Peter Wessel die Struktur der neuen CompGen-Homepage vor. CompGen migriert auf eine WordPress-basierte Lösung und hat bei der Auswahl Wert auf eine einfache Navigation und ansprechendes Design gelegt. Auch hier entwickelte sich eine rege Diskussion und es wurden Vorschläge unterbreitet, wie der Entwurf verbessert werden könnte. Dabei ging es im Wesentlichen um Fragen zu Suchmöglichkeiten und um die Einbindung graphischer Elemente.
    Das GenWiki – ein Mitmachprojekt
    In einem weiteren Vortrag zeigte Günter Thürheimer anhand einiger konkreter Beispiele auf, wie einfach man kleinere Änderungen oder Ergänzungen an bestehenden GenWiki-Seiten vornehmen kann. Zum Abschluss des Tages fand eine offene Gesprächsrunde statt. Dabei wurde deutlich, dass die vielfältigen Möglichkeiten für Mitglieder, sich durch aktive Mitarbeit einzubringen, derzeit nicht ausreichend sichtbar sind. Dem wird auf der neu geplanten Webseite durch eine eigene Säule "Mitmachen" besser Rechnung getragen, als es bisher der Fall ist.
    CompGen Mitgliederversammlung am Sonntag
    Als wesentliche Ergebnisse hieraus gibt es zu berichten, dass es einige Personalveränderungen gibt. Die Amtszeiten von Uwe Baumbauch (IT), Thekla Kluttig (Archive) und Timo Kracke (Öffentlichkeitsarbeit) endeten und die drei Mitglieder kandidierten nicht erneut. Prof. Dr. Georg Fertig wird als Ansprechpartner den Kontakt in die Wissenschaft wahrnehmen und das Thema „Citizen Science“ betreuen. Bernhard Mosolf wird von Klaus-Peter Wessel das Aufgabengebiet „Freiwilligenmanagement“ übernehmen. Klaus-Peter Wessel übernimmt von Timo Kracke den Bereich Online-Öffentlichkeitsarbeit. Da die Öffentlichkeitsarbeit im Verein einen sehr großen Bereich darstellt, wurde dieser Bereich aufgeteilt und Ingrid Reinhardt wird sich zukünftig speziell um die „Offline-Öffentlichkeitsarbeit“ kümmern. Hier fällt u. a. die Zusammenarbeit mit Vereinen und Archiven hinein. Der CompGen-Vorstand bedankt sich bei allen Mitgliedern und Gästen, die den Weg nach Sindelfingen gefunden haben, für den Besuch der Veranstaltung und die rege Beteiligung an den Diskussionen. Gerade in unserem Verein ist es immer wieder schön, sich auch außerhalb der digitalen Medien einmal persönlich kennenzulernen, Kontakte zu pflegen und Freundschaften zu schließen.
    Die Mitgliederversammlung 2019 wird voraussichtlich wieder in Altenberge bei Münster stattfinden.
    Susanne Nicola, Julia Rörsch, Klaus-Peter Wessel
  3. Namensverbreitung in Österreich-Ungarn um 1890

    Mit Hilfe der Daten aus den Verlustlisten des Ersten Weltkriegs für Österreich-Ungarn lassen sich nun auch Namensverbreitungskarten für Ungarn erstellen. Hier ist z.B. die des Familiennamens HORVÁTH in Ungarn um 1890. Die zehn häufigsten Familiennamen in Ungarn um 1890 auf Basis der Verlustlisten des 1. Weltkrieges zeigt diese Grafik.
    Wer möchte mithelfen, die Qualität der Daten weiter zu verbessern? Hier gibt es Informationen, wie man Daten suchen und selbst zum Projekt beitragen kann. JZ

    Familienanzeigen

    Im Februar und März konnten wir 24177 Familienanzeigen online stellen. Es wurden auch noch weitere Anpassungen in der Programmierung vorgenommen. Dafür meinen ganz herzlichen Dank an den Programmierer Gerhard F.
    Allen Erfassern ein herzliches Dankeschön! (Helga Scabell)

    Adressbücher

    Fertig erfasste Adressbücher:

    * Das vor langer Zeit offline teilerfasste Adressbuch Freiburg i. Br. 1922 wurde im DES komplettiert. Innerhalb von 4 Monaten erfassten 8 Freiwillige 647 Seiten mit 43.821 Einträgen. Mein besonderer Dank geht an eine Freiwillige, die mehr als 60% aller Daten erfasst hat. Die erfassten Daten können wie folgt gesucht werden: Offline erfasst und im DES erfasst.
    * Adressbuch Barth 1938: Innerhalb von 9 Tagen erfassten 5 Freiwillige 69 Seiten mit 5.754 Einträgen Die Daten können hier gesucht werden.
    * Adressbuch Kreis Kempen-Krefeld 1953: Im Zeitraum von 12 Monaten erfassten 19 Freiwillige 694 Seiten mit 84.956 Einträgen. Die erfassten Daten können hier gesucht werden.

    Neue Wunschprojekte, die zur Erfassung freigegeben wurden:

    * Adressbuch Landkreis Dieburg 1938: Die Buch sind einfach zu erfassen und daher auch für Einsteiger gut geeignet.Um das Erfassen der Straßennamen zu vereinfachen, stehen Auswahllisten für 26 Städte/Gemeinden zur Verfügung. Einige Besonderheiten sind zu beachten.
    * Adressbuch Weimar 1900: Auch in diesem Buch gibt es einige Besonderheiten, die bei der Erfassung beachtet werden müssen.
    * Adressbuch Mettmann 1939: Das Adressbuch ist einfach zu bearbeiten und deshalb für Einsteiger bestens geeignet.
    * Adressbuch Landshut 1905: Bei diesem Projekt gibt es einige Besonderheiten zu beachten.

    Projektbetreuer: Joachim Buchholz, Petra Paschke und Evelyn Gebhard
    Alle Adressbücher, die aktuell im DES bearbeitet werden, werden hier aufgelistet. Die dazugehörigen Beschreibungsseiten findet man in der Kategorie: Adressbuch in Bearbeitung.
    Mithelfer sind willkommen!
    (Gerhard Stoll)

    Workshops „Geschichtliches Ortsverzeichnis“ GOV online

    Die genaue Ortsbestimmung ist in der Familienforschung ein unerlässliches Hilfsmittel. Um die Ortsverwaltung in der Genealogie einfacher zu gestalten und um qualitativ hochwertige Daten für jedermann bereitzustellen, wurde das Projekt Geschichtliches-Orts-Verzeichnis (GOV) initiiert. Große Bedeutung für die Familienforscher haben die enthaltenen Angaben wie geographische Lage des Ortes, verschiedene Schlüsselzahlen, andere oder frühere Namen und historische Zugehörigkeit. Im GOV sind Kirchen, Kirchenkreise, Orte, Landkreise, Regionen u. ä. zu finden. Das GOV ist wie alle CompGen-Projekte als Mitmachprojekt ausgelegt. Ein Bearbeiter muss neben dem Fachwissen oder entsprechender Literatur über die Ortsstrukturen ebenfalls über Grundwissen für die Bearbeitung in der GOV-Datenbank verfügen. 2017 fanden hierzu zwei Workshops unter dem Titel "GOV-Workshop, Einführung für Anfänger und zukünftige Bearbeiter" statt. Im Rahmen dieser Workshops wurde die verfügbare Literatur über Ortsstrukturen und Methoden zur Bearbeitung der GOV-Datenbank gezeigt. Die Teilnehmer der Workshops lernten neue und fehlende Daten ihres Forschungsgebietes anzulegen und fehlerhafte Eingaben zu korrigieren. Die Workshops verwendeten als Grundlage lokale Orte, wobei die Systematik auf andere Regionen in Deutschland angewendet werden kann. Ingrid Reinhardt war mit der Kamera bei den Workshops dabei und hat sie für CompGen festgehalten. Hiermit hat nun jedermann auch die Möglichkeit in die Themen des Workshop herein zu schauen. Der von Ingrid Reinhardt professionell zusammengestellte Mitschnitt zum jüngsten GOV-Workshop in Köln (mit Peter Lingnau) und der bereits früher veröffentlichte Mitschnitt des GOV-Workshops in Büdelsdorf (mit Jesper Zedlitz) sind online hier im Youtube-Kanal von CompGen zu finden. Hier sind auch weitere CompGen-Videos eingestellt.
  4. Am 1. Juli 2018 tritt das Gesetz zur Errichtung eines Samenspenderregisters und zur Regelung der Auskunftserteilung über den Spender nach heterologer Verwendung von Samen (Samenspenderregistergesetz) in Kraft. Damit ist das Ziel des Vereins Spenderkinder erreicht, dass Menschen, die durch eine Samenspende gezeugt wurden, erfahren können, wer der Samenspender war. Eine rechtliche Feststellung der Vaterschaft des Samenspenders wird allerdings ausgeschlossen. Eine Regelung über die Einrichtung des Samenspenderregisters war überfällig, denn seit 1970 sind Samenspenden in Deutschland zulässig. Nach Schätzungen sind bereits mehr als 110.000 Menschen durch Samenspenden entstanden. Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) führt das neue Samenspendenregister und wird verpflichtet, die Daten über den Spender 110 Jahre lang nach der Geburt aufzubewahren. Ein durch Samenspende gezeugtes Kind kann die Auskunft über den Samenspender selbst anfordern, wenn es 16 Jahre alt ist. Der Samenspender wird dann informiert, wenn eine Auskunft angefordert wird. Er selbst kann keine Auskunft darüber bekommen, ob Kinder mit seinen Samen gezeugt wurden. Auch gibt es keine Auskunft über Halbgeschwister, die durch Samen desselben Spenders gezeugt wurden. Kinder, die vor Inkrafttreten des Gesetzes gezeugt wurden, haben keine Möglichkeit der Auskunft und müssen sich an Ärzte und Klinken wenden, die die Daten über den Samenspender oft vernichtet haben. Anders als bei adoptierten Kindern wird ein Samenspender nicht in das Geburtsregister eingetragen.
  5. Im Fachbereich Europa des Deutschen Bundestages wurde bereits im Juli 2016 auf Anforderung eines Abgeordneten ein "Sachstand" erstellt, der die Auswirkungen der Datenschutz-Grundverordnung auf private Ahnenforscher behandelt, wie Tobias Kemper herausgefunden hat. Die Aussagen sind beschränkt auf die rein private, nicht kommerzielle Ahnenforschung außerhalb eines beruflichen bzw. wissenschaftlich-institutionellen Rahmens. Aber auch private Ahnenforschung kann in den Anwendungsbereich der Verordnung fallen, jedoch nicht, wenn es ausschließlich um persönliche oder familiäre Tatigkeiten geht. Für Daten von verstorbenen Personen gilt die Verordnung nicht. Für wissenschaftliche oder historische Forschungszwecke gibt es Handlungsspielräume für die Mitgliedsstaaten, um die Nutzung sensibler Daten im Einklang mit der Verordnung selbst zu regeln. In § 27 Bundesdatenschutzgesetz (Neufassung) heißt es präzisierend: "Abweichend von Artikel 9 Absatz 1 der Verordnung (EU) 2016/679 ist die Verarbeitung besonderer Kategorien personenbezogener Daten im Sinne des Artikels 9 Absatz 1 der Verordnung (EU) 2016/679 auch ohne Einwilligung für wissenschaftliche oder historische Forschungszwecke oder für statistische Zwecke zulässig, wenn die Verarbeitung zu diesen Zwecken erforderlich ist und die Interessen des Verantwortlichen an der Verarbeitung die Interessen der betroffenen Person an einem Ausschluss der Verarbeitung erheblich überwiegen." Im letzten Absetz des Paragraphen heißt es: "Der Verantwortliche darf personenbezogene Daten nur veröffentlichen, wenn die betroffene Person eingewilligt hat oder dies für die Darstellung von Forschungsergebnissen über Ereignisse der Zeitgeschichte unerlässlich ist."

    Auch das Europaparlament beschäftigte sich in zwei Anfragen vom 15.5.2013 und 17.7.2013 schon mit dem Thema Behinderung genealogischer Forschungen durch die Datenschutzgrundverordnung.